Freitag, 9. März 2012

Menschen

Zwei Aussagen, die ich in der Vergangenheit gehört habe

Die Erste:

Glaube ist (für mich) wie so eine Art Schmerzmittel, ab und an eben mit Nebenwirkungen ..
Es ist mir zu einfach gestrickt, dieses "Gott wird schon wissen warum und Gott wird mir den Weg zeigen" ... Ausbaden muss es immer der Mensch .. Einige Wege Gottes können nur ein Fake sein.


Die Zweite:

Wie schaffst Du es nur, bei all der Shice, die Du erlebt hast, trotzdem so positiv zu sein?


Aussage Eins klingt zunächst einmal - für sich gesehen - sehr enttäuscht, ernüchtert, frustriert. Als wäre die Person dahinter vom Leben und von Mitmenschen nicht gerade liebevoll angenommen worden. In sämtlichen Bereichen, nämlich bezogen auf den Geist/Intellekt UND die Seele.

Bei Aussage Zwei klingt Skepsis durch, aber auch Neugierde.

Beide Personen haben einen Rucksack mit Steinen drin, die die individuellen Probleme darstellen.

Beide Rucksäcke sind - für sich gesehen - eine Bürde.

Ich wünsche Person Eins aus meinem ehrlich liebevollen Herzen ein wenig Neugierde und heilsames Licht für die Verletzungen, die in der Seele über die Jahre aufgestaut sind.

Und ich freue mich ganz heftig doll über Person Zwei, die trotz der anstehenden Schwierigkeiten ihre Neugierde auf etwas ihr Fremdes bewahren konnte.

Menschen - vielfältig, wertvoll, einzigartig.

Ich möchte sie nicht bepredigen, ihnen etwas überstülpen. Das hat damals bei mir schon nicht geklappt - warum sollte ich also mit diesem Sackgassen-Missionieren fortfahren? Ich habe meine individuellen Erfahrungen machen dürfen, müssen. Ich bin mit dem alttestamentlichen Gottesbild "strafend, richtend, unnachgiebig und gnadenlos" groß geworden - habe aber immer die Diskrepanz zum neutestamentlichen Herrn gesehen - da stand nämlich was von "grenzenloser Liebe" und "er hat mich zuerst geliebt". Verstehen konnte ich die Zusammenhänge - auf mich bezogen - erst sehr viel später. Wobei ich auch heute nur einen Bruchteil dessen wirklich verstehe, was "grenzenlose Liebe" bedeutet. Grenzenlose Annahme.

Auch ich habe Zweifel, ob das, was bei mir passiert, einen Sinn hat. Vieles kann ich nicht erklären, vieles muß einfach da stehen bleiben. Das ist unbefriedigend, kann wütend machen und frustrieren.

Gut so! Raus damit!

Was glaubt ihr wohl, wieviele Wutgebete ich in den letzten Jahren in den Himmel geschleudert habe. Wie oft ich absolut keinen Sinn in dem sah, was bei mir privat "abging"!

Wie oft ich heute noch ringe!

Warum ich so positiv bin?
Nun, vielleicht wirke ich positiv. Das freut mich, das ich trotz meinen bitteren Erfahrungen ... nicht bitter nach außen werde.
Das ist ja sonst offenbar "der Normalfall" in der Welt.

Es freut mich, wenn mir Menschen sagen, ich wäre kommunikativ und könne so gut und offen auf andere zugehen. Viele fühlten sich im Kontakt mit mir verstanden und angenommen, wie sie sind. Bei mir können sie sein, wie sie sein wollen, ohne Masken. So sagten sie mir.

Es freut mich, wenn mir Menschen zutrauen, dass ich mit Kindern arbeiten kann - obwohl ich doch selber keine habe, und daher auch nur aus Intuition handeln kann.

Aber diese Freude über all die netten Zusagen gebe ich an Gott weiter. Warum?

Nach meiner Scheidung vor zehn Jahren entwickelte ich eine Sozialphobie. Menschen waren mir Schritt für Schritt zuwider geworden. Ich sah überall nur Egoismus, das Recht des Stärkeren und Ellenbogen. Kinder waren für mich kleine Erwachsene, nur extrahierter in ihren Ansprüchen: alles gleich, alles sofort. Ich hasste sie regelrecht. Aus kleinen Jungs werden große Jungs, die wiederum erst kleine Mädchen schubsen, dann später große Mädchen mißachten. So habe ich damals gedacht. Ich wollte keinen sozialen Kontakt. Ich fühlte mich nur in meiner Wohnung wirklich sicher. Ich ging eine Zeitlang nur abends spazieren, wo ich wußte, dass ich wenig Menschen begegnen würde. Meinen Job konnte ich nur mit Mühe und nur mit Hilfe von Medikamenten schaffen. Ich liebte nur meine Meerschweinchen, weil ihre Zuwendung zu mir so ehrlich war, wie nur Tiere es vermögen - ich bin der Futtersklave, und dafür lieben sie mich. Klarer Deal, kein Falsch darin.

Durch eine Therapie konnte ganz langsam, Stück für Stück, Heilung geschehen. Es war ein langer und sehr schmerzhafter Weg gewesen. Es sind Narben geblieben.

Die Heilung ist nicht vollendet. Ich darf täglich neu staunen und entdecken, wie wertvoll ich angesehen werde. Und wenn ich auch siebzig Mal sieben Mal wieder auf die Nase falle, mich verzettel, mir "Ersatzdrogen" verschaffe ... SEINE LIEBE ZU MIR IST IMMER GLEICH - NÄMLICH OHNE BEDINGUNG.

Seine HANDLUNGEN sind für mich siebzig Mal sieben Mal unverständlich. Das ist so und das wird wohl bis an mein Lebensende so bleiben.
Ich klammere mich dann in schlechten Tagen regelrecht an diese Aussage. Das ist keine Ersatzdroge oder billige Vertröstung - ich mache das, weil ich das will.

Das Schöne daran ist, auch wenn ich das mal nicht will - Er will MICH. Er hält mich trotzdem. Er hat mir zugesagt, dass er mich ZUERST geliebt hat. Da war ich noch gar nicht auf der Welt. Da konnte ich noch gar nichts "wiedergeben", liefern, zurückgeben. Was Er auch nicht verlangt hat. Sein Deal: ich liebe Dich - basta.

Jesus war mit im Boot, als die Jünger in den Sturm gerieten. Und er stillt den Sturm, wenn wir nicht mehr navigieren können.
Aber wir werden trotzdem nasse Füße haben. Das ist nunmal so. Sturm - Wasser - Boot - schwappende Wellen: nasse Füße. Aber da er mit im Boot war, hat auch ER nasse Füße. Nun fragen manche sich: warum überhaupt Sturm? War das nötig?
Fischer, die nie rudern müssen, kriegen schlaffe Muskeln. Verweichlichen. Werden träge. Dann kommt ein laues Lüftchen und sie haben keine Kondition.
Wir leben in der Welt - nicht im Paradies. Hier wehen so manche Tsunamis. Unglücke geschehen. Unerklärliches, Unverständliches. Ja, auch Unerträgliches.
Aber manchmal - auch mitten im Elend - plötzlich ein Lichtstrahl. Wo dann Frieden einzieht. Vielleicht jemand oder etwas kommt, mit dem man selber nicht gerechnet hat - mit einer Umarmung, oder einer passenden Geste.

Menschen sind vielfältig. Einzigartig. Und manch einer versprüht Hoffnung, auch wenn er selber sehr viel Schweres erlebt hat.
Das nenne ich dann Gnade. Das macht mich demütig dankbar.





Mein Lichtstrahl - 18.2.2012; A7, Abfahrt Bispingen - Meterhoch und nicht zu überlesen, genau, wie ich es Ende letzten Jahres von Gott gefordert hatte. Wußtet ihr, dass Gott Humor hat? ;-)

Dienstag, 31. Januar 2012

Dialog




"Mauern ..." sagte der Igel, "Mauern und Stacheln braucht jeder! Mauern schützen einen. Ich brauche Mauern, Sichtschutz, unbeobachtete Räume ... das hat das Leben mir mitgegeben!"

Die kleine Prinzessin lächelte.
"Du, lieber Igel, brauchst bedingungslose Liebe - und Annahme um deiner Selbst willen - wie wir alle! Da sind dann keine Mauern mehr nötig. Keiner braucht Mauern, wenn er mit Wesen zusammen lebt, die den Gartenzaun respektieren!"
Und dann streichelte sie den Igel ganz vorsichtig - am Bauch. Der Bauch war ganz weich und flauschig. Verletzbar. Am Bauch haben Igel keine Stacheln.


Wenn wir ganz vorsichtig sind, und Geduld haben, dann rollen sich die Stachelbälle ein Stück weit auf, und wir können den weichen und flauschigen Bauch berühren. Da, wo sie verletzbar sind. Da, wo das Herz zu fühlen ist. Die Stelle, die sie sonst kaum jemals offen zeigen.
Aber eine falsche oder heftige Bewegung, und die Stachelkugel ist wieder da. Feindlich und unzugänglich sieht sie dann aus. Fühlt sich auch so an.

Gehen wir also sorgsam und respektvoll mit diesem Geheimnis um!

Es gibt sehr, sehr viele zweibeinige Igel in unserer Menschen-Welt ... wenn wir ihre Mauern erstürmen wollen, dann ernten wir Stachelbälle ...
Sie brauchen sehr, sehr viel Geduld und unsere Liebe, und vielleicht entdecken wir eine Tür in der Mauer ... die sich dann womöglich einen Spalt weit öffnet ... und warten einfach mal ab, bis wir eingeladen werden, einzutreten ...




Donnerstag, 26. Januar 2012

Von der Liebe




Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.

Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.

Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstetet.

Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.

Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennen lernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.

Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.
In die Welt ohne Jahreszeiten,
wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all deine Tränen.

Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.

Liebe besitzt nicht, noch lässt sie sich besitzen;

Denn die Liebe genügt der Liebe.

Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,
denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.

Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.

Aber wenn du liebst und Wünsche haben mußt, sollst du dir dies wünschen:
Zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein,
der seine Melodie der Nacht singt.

Den Schmerz allzu vieler Zärtlichkeit zu kennen.
Vom eigenen Verstehen der Liebe verwundet zu sein;
Und willig und freudig zu bluten.

Bei der Morgenröte
mit beflügeltem Herzen zu erwachen
und für einen weiteren Tag des Liebens dankzusagen;

Zur Mittagszeit zu ruhen
und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;

Am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;
Und dann einzuschlafen
mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen
und einem Lobgesang auf den Lippen


(Khalil Gibran; Von der Liebe)

Dienstag, 17. Januar 2012

Sind unsere Seelen mitgekommen?

Wissenschaftler unternahmen in Afrika eine Expedition. Sie warben mehrere schwarze Träger an und trieben sie eilig mit den schweren Gerätekisten voran. Nach drei Tagen Eilmarsch warfen die Schwarzen die Lasten ab, setzten sich auf die Kisten und waren weder durch gute Worte noch Geld zu bewegen weiter zulaufen. Nach dem Grund ihrer Weigerung gefragt, antworteten sie: «Es geht zu schnell, unsere Seelen kommen nicht mit, wir müssen warten, bis unser Inneres nachkommt, dann gehen wir weiter!»

Sie hatten ein Gespür dafür, dass bei dieser Hetze der innere Mensch zurückbleibt.
Sind in der rasanten Entwicklung von Fortschritt und Technik unsere Seelen mitgekommen? Wirtschaftswachstum und Wissensexplosionen halten uns in Atem, aber ist der innere Mensch mitgewachsen? Haben wir bedacht, dass zum Leben mehr als Rennen und Laufen, Hasten und Jagen, Einkommen und Auskommen, Schaffen und Vermehren nötig sind? Haben wir an die Bedürfnisse unserer Seele gedacht? Haben wir Frieden mit uns selbst, miteinander, mit Gott? Haben wir einen Herrn, dem wir unsere Sorgen abgeben können? Haben wir ein Hoffnungslicht, um die Gespenster der Angst vertreiben zu können? Haben wir eine Liebe empfangen, die unsere aufgescheuchte Seele zur Ruhe bringt?
Vielleicht müssten wir uns auch mal auf die Kisten und Geräte setzen und warten, bis die Seelen nachkommen. Das täte uns Menschen, dem Leben und der Umwelt gut.

Quelle: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, Aussaat Verlag


In der Hetzefalle - Wir wissen alle, das es sie gibt ... Trotzdem gleiten wir alle in sie hinein. Oftmals unbewußt - als Betäubung ... nur nicht Nachdenken, nur nicht Sortieren - weil das mit Schmerz verbunden ist.

Bis es nicht mehr geht. Der Körper sich mit Krankheiten wehrt, weil der Geist nicht gehört wird.

Dank an den Körper, dieses geniale Wunderwerk. Wie oft glaubt der Kopf, er entscheidet allein. Er allein treibt an, bestimmt, wo es langgeht.

Dabei hat jedes Organ im Leib sein eigenes Tempo. Und eine Wichtigkeit. Wir können nicht MACHEN, dass unser Herz schlägt. Wir können machen, dass es gleichmäßiger schlägt - durch äußere Einflüsse.
Aber wenn wir schlafen, schlägt es auch. Welch Wunder!

Und was ist, wenn wir "Macher" nicht mehr machen können? Wenn wir uns hilflos gemacht haben? Wenn der Körper Nein sagt, und es auch bei Nein! bleibt? Trotz Aufputschen, Ignorieren?

Wie fühlt sich das an?
Hilflosigkeit macht sich breit, bis hin zur Ohnmacht, und zur Wut. Die sich dann auch gegen einen selber richtet - gegen die eigene Schwachheit, die so gerne ausgeblendet wird.

Schwach? Ich doch nicht. Seht her - was ich alles kann! Was ich alles leiste! Ich leiste, also bin ich - ich bin, also werde ich geliebt!

Einer sieht zu - sieht zu und lächelt - manchmal lächelt Er traurig.
Einer ist da, der unser Ganzes liebt. Weil Er uns als Ganzes geschaffen hat.
Nicht nur Einzelteile, die Leistung bringen "müssen". Auch Teile, die scheinbar eine Plage sind (Blinddarm). Teile, die man nicht sehen kann (innere Organe).
Einer ist da, der mich als GANZES will. Genauso haben will: schwach, vergänglich, begrenzt.
Einer ist da, der mir meinen Wert gibt: wertvoll, wundervoll, einzigartig.



Er BRAUCHT mich nicht. Aber Er WILL mich!

Wenn ich schon unbedingt etwas tun will, dann das: Ich darf mich lieben lassen!

Ich schaue in den Spiegel, und ein Satz formt sich in meinen Gedanken: Friede sei mit Dir, mein geliebtes Kind - Meinen Frieden gebe ich Dir, Dein Herz verzage nicht ...

Danke ... Danke Herr ... immer wieder danke ...

„Gott verspricht uns nicht, uns aus dem Feuer zu holen, sondern er verspricht uns, zusammen mit uns durch das Feuer zu gehen.“
(Charles Coulson)






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Mittwoch, 4. Januar 2012

Wüstenzeit


Ein neues Jahr mit 366 Tagen liegt vor uns.

366 Gelegenheiten.

366 mal Erleben.

Der Januar ist für mich immer irgendwie eine Wüstenzeit. Alles zunächst einmal so leer, so ungewohnt. So ... neu.

Donnerstag, 24. November 2011

... Von Drachen ... und Träumen






Von Feuer zu träumen – weckt das die Drachen?



Die Drachen ...



sie bewachen



TUGEND und FANTASIE





Und Engel – wovon träumen die?




Donnerstag, 10. November 2011

Hast du Matrix - oder bevorzugst du Real Life?

Ein Satz aus dem Film "Die Matrix" bewegte mich gestern tief.

Kurze Vorrede:

Neo, der Hauptdarsteller, erwacht nach dem Schlucken einer roten Pille (warum die rote, bitte nachlesen im Link!) in einer für ihn bis dahin unvorstellbaren Realität: Bis auf wenige Überlebende und Befreite werden alle Menschen von intelligenten Maschinen in riesigen Zuchtanlagen gehalten und dort als lebende Energiequellen genutzt. Ihre Körper sind über Kabel an eine komplexe Computersimulation, die Matrix, angeschlossen, die ihnen eine Scheinrealität vorgaukelt. Die angeschlossenen Menschen halten die Simulation für das wirkliche Leben.

Er fragt Morpheus, den Anführer einer geheimen Untergrundbewegung: "Morpheus, warum tun mir meine Augen so weh?" und dieser antwortet ihm: "Weil du sie noch nie benutzt hast, Neo ..."

Warum tut uns etwas weh?
Die Sportler werden es wissen - ungenutzte Muskeln tun nach dem ersten Training fies weh. Weil sie so lange nicht oder so noch nie benutzt worden sind.

Als ich mit meinem Fitnessprogramm anfing, war ich gerade mal in der Lage, fünf Sit-ups zu schaffen, bevor ich schnaufend aufgab. Heute kann ich darüber nur lächeln, weil ich jetzt bei 50 - 70 bin. Jeden Abend! Nach einem Training von drei Monaten.

Wenn ich mal drei, vier Tage pausieren muß, bauen sich die Muskeln aber auch relativ schnell wieder ab.

Soll heißen: alles, was man nicht häufig wiederholt, erschlafft nach und nach.

"Warum tun mir meine Augen so weh?" ... "Weil du sie noch nie benutzt hast ..."

Warum fallen uns neue Wege, neue Denk- und/oder Handlungsweisen so schwer? Weil sie NEU sind. Zunächst einmal fremd.
Wieder einmal fällt mir ein Filmzitat ein. Aus 'Und täglich grüßt das Murmeltier': "Alles, was anders ist, ist gut!" sagt Bill Murray, nachdem er endlich nach jahrelanger Erlebniswiederholung eines Morgens erwacht - und tatsächlich endlich einen NEUEN Morgen erreicht hat.

Ich erfuhr neulich die Geschichte einer Familie, wo der Familienvater sich bei Second-Life eine neue Realität aufgebaut hat, und dort mehr Zeit verbringt, als mit seiner realen Familie.

Was treibt Menschen dazu, so etwas zu tun? Wo sie doch real alles zu haben scheinen, was "man" so nötig hat: Haus, gesunde Kinder, liebevolle Ehefrau/Ehepartner, Arbeit ...
Sie bevorzugen eine SIMULATION eines Lebens, anstatt im realen Dasein zu agieren.
Die Matrix ist keine Fiktion mehr. Sie wird freiwillig (?) gewählt.






Blaue oder rote Pille?
Hierzu noch einmal aus dem Film:
Morpheus erklärt Neo, es sei schwierig, die „Matrix“ mit Worten zu erklären. Jeder müsse es selbst erleben. Er stellt Neo vor die Wahl: Blaue oder rote Pille – entweder entscheide er sich dafür, sein Leben als Thomas A. Anderson fortzusetzen (blaue Pille) oder dafür, dass Morpheus ihm die Matrix zeigt (rote Pille). Neo wählt die rote Pille und wird aus der Matrix befreit.

Wollen wir das alte Leben fortsetzen?
Oder befreit werden?

Wonach hast du Sehnsucht? Blaue Pille oder rote?

Auch die Menschen in diesem Jahrhundert haben Sehnsucht. Sehr viel Sehnsucht. Viele können nicht benennen, wonach. Diese "blauen Pillen"-Menschen leben dann vielleicht lieber in Second-Life. Weil Umdenken Arbeit ist, Schmerzen bereiten kann, anstrengend ist, ständig trainiert werden muß, frustrieren kann.

Aber ein Morpheus zu sein - also jemand, der einen neuen Weg anzeigt - ist ebenfalls kein Zuckerschlecken. Da können Enttäuschungen kommen, wenn das Gegenüber trotzdem "Nein" zur Befreiung sagt.
Der Andere hat immer die Wahl: blaue oder rote Pille. Entscheidet sich mein Gegenüber für die blaue, ist das seine freie Wahl. Auch wenn mir das nicht gefällt, weil ich es vielleicht besser einschätzen kann. Eltern sind oftmals in der Rolle des Morpheus ...

Ich für meine Person sehe mich als diejenige, die tagtäglich die Wahl hat - blaue oder rote Pille. Ich bin keine Marionette. Anders als im Film aber darf ich mich mit einer Fehlentscheidung trotzdem geliebt wissen. Gott ist für mich mehr als Morpheus, die Filmfigur. Er läßt mich nicht im Stich, egal welche Pille ich wähle. Seine Zusagen sind fest. Er hat mich bereits befreit. Jesus ist mehr als Neo, der "Auserwählte" im Film. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.


Ich möchte keine Simulation meines Lebens. Ich möchte das Leben leben. Das kann manchmal schwer werden, weh tun. Mein Herz kann weh tun. Ich benutze es, und trotz Training tut es immer wieder weh. Es sei denn, ich sperre es ein. Ich verhärte. Ich flüchte mich weg ... ich stecke es in einen blauen gehäkelten Herzschutzbeutel, Schutzpanzer ...

Mein Leben ist ein tägliches Abenteuer. Sich dessen bewußt zu sein, auch mal Mühen und Anstrengungen fremder Gedankengänge, Handlungs- und Denkweisen auf mich zu nehmen, hinfallen und dann wieder aufzustehen ... diese Lebendigkeit möchte ich haben. Auch wenn sie weh tut. Normalerweise bevorzuge ich die rote Pille ...




... Heute wünschte ich mir mal die blaue Pille ... heute tut Authentisch sein mal weh ... aber es ist dann doch okay so, wie es ist ... Gefühle wahrnehmen, benennen, und liebevoll annehmen ... Momentaufnahmen ... also weg mit der blauen Pille der Illusion ... ich trainiere ja nur wieder ... kein Grund, aufzugeben! Oder zurückzutauchen ...




Abschließend ein Zitat aus einem Emailkontakt mit einem sehr lieben Freund:

"... du wirkst authentisch. Und das ist selten .. das ist wertvoll.. du bist wertvoll ... wenn du liebst dann liebst du, weil du weißt, was Liebe ist. Und wenn du weinst dann weinst du, weil dir Trauer nicht fremd ist und du sie fühlend auch nach außen leben kannst .. im Grunde ist genau das: Mensch sein. Gott ist in dir, weil Gott ganz viel von sich bei dir gelassen hat, Heike. Alles hat seinen Sinn ... Das einfachste Puzzle findet nie zusammen, wenn es nicht jemand legt, der den Überblick hat ... ich sehe es also in den besten Händen. Gott ist in dir, weil du das Gute im Menschen liebst ... und genau das ist Gott und die Bibel (für mich), das Gute im Menschen und der Versuch, es zu erklären. Du weckst Sehnsüchte, weil du bist, was viele nicht einmal mehr haben: du bist intensiv empfindend ... du bist aufnehmend ... reflektierend, du bist lebendig ... du gibst Kraft durch deine Schwächen. Du bist mehr Mensch, als es die meisten von uns jemals werden ... Authentischer Mensch sein war schon immer besonders schwer ... in die Hölle kommt man viel leichter."


Friendship ... welche Farbe hat sie? Lebt sie im Wandel, in der Weiterentwicklung? Wird sie überleben? Erträgt sie auch den Schmerz des Anderen? Das braucht Pflege. Ständiges Training ... Vergebung, und die Bereitschaft, immer wieder aufeinander zuzugehen. Auch wenn man manches ... einfach stehen lassen muß ... damit es weitergehen kann ...


Oder um es mal deutlicher zu sagen: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten ... und sich stattdessen zum Anderen setzen, und einfach da sein. Alle Vermutungen, Ratschläge oder Erklärungsversuche beiseite legen, einfach Seite an Seite sitzen und aufs Meer gucken. Schweigen. Das kann soviel hilfreicher sein - und heilender. Die Tränen eines Freundes sind für ihn vielleicht ein Ventil. Versuchst du, sie zu stoppen, weil DU sie nicht sehen kannst, verhinderst du unter Umständen wertvolle Heilung.
Sei tapfer, und lass dich darauf ein - und die Freundschaft kann neue Dimensionen, mehr Tiefgang - und festere Wurzeln bekommen.


Wie lieben sich Igel? Ganz ganz vorsichtig ...





One more depending on a prayer
And we all look away
People pretending everywhere
It's just another day
There's bullets flying through the air
And they still carry on
We watch it happen over there
And then just turn it off

We must stand together
There's no getting even
Hand in hand forever
That's when we all win

That's, that's, that's when we all win
That's, that's, that's when we all win

They tell us everything's allright
And we just go along
How can we fall asleep at night?
When something's clearly wrong
When we could feed a starving world
With what we throw away
But all we serve are empty words
That always taste the same

We must stand together
There's no getting even
Hand in hand forever
That's when we all win

That's, that's, that's when we all win
That's, that's, that's when we all win

The right thing to guide us
Is right here, inside us
No one can divide us
When the light is leading on
But just like a heartbeat
The drumbeat carries on

And the drumbeat carries on
(Just like a heartbeat)

We must stand together
There's no getting even
Hand in hand forever
That's when we all win

That's, that's, that's when we all win
That's, that's, that's when we all win